Reisebericht: Eine Kurzreise nach Paris im Sommer


„Bei Nacht, von Montmartre aus betrachtet, ist Paris wirklich zauberhaft – wie die Splitter eines riesigen Diamanten liegt es in der Tiefe einer Schale.“

Henry Miller

Ankunft in Paris

Eigentlich ist es von NRW aus nur ein Katzensprung nach Paris. Mit dem Thalys kommt man z.B. direkt von Essen Hbf bis nach Paris zum Gare de L’Est…aussteigen, zur Unterkunft fahren, laufen…und tada. Schon ist man da.

Unser Hotelzimmer im kleinen Hotel Taylor in einer Seitenstraße des zehnten Arrondissement in Paris ist hübsch. Alles hier ist klein: Der Aufzug ist so eng, dass maximal zwei Leute reinpassen. Das Zimmer ist klein und praktisch. Nur das Klo ist so ein kleines Kabuff, dass man dort drin tatsächlich nur eines tun kann: sitzen. Die Hauptschwierigkeit ist eine ganz andere: Das Badezimmer ist räumlich nicht abgetrennt, sondern direkt im Zimmer platziert. Die Dusche ist zwar sehr schick, aber für meinen Geschmack etwas zu durchsichtig – und etwas Privatsphäre vor dem Zimmermitbewohner ist halt doch irgendwie angenehmer – es kann ja nicht sein, dass hier nur verliebte Pärchen absteigen. Das bedeutet getrennte Duschzeiten!

Und irgendwas ist komisch! Es schwankt. Also gefühlt. Besonders im Klokabuff. Ist es mein Kreislauf?

Nachdem meine Reisebegleiterin und ich uns in dem Zimmer mit Transparentdusche gut eingerichtet haben, sind wir unterwegs zu ersten Stadtbesichtigungsschandtaten und auf direktem Weg zum Louvre. Der Platz ist nicht sehr voll, denn heute ist Montag und der Louvre ist geschlossen. Aber mir reicht es auch, den Louvre nur von außen zu sehen und Mona Lisa muss ich auch nicht treffen.

Was in dieser Stadt neben aller Pracht auffällt: Es stinkt an allen Ecken übel nach Urin.

Ich könnte heulen! Ich habe so einen Hunger und inzwischen sind wir an vier Restaurants vorbeigekommen, die irgendwie alle nicht richtig waren. ich bin in Frankreich, in Paris, und finde nichts zu essen. In dem einen Restaurant spricht uns nichts an, in dem nächsten sitzen wir draußen und es gibt ein Gewitter. Bei dem dritten Restaurant gibt es keine Sitzmöglichkeiten. Jetzt sind wir im Chameleon gelandet. Auch hier ist die Karte sehr übersichtlich, sodass meine Begleitung bei einer Käseplatte landet und ich mir einen Brokkoli Teller bestelle – auf unserem Zimmer muss ich gleich erstmal Schokolade frustessen. Die Portionen im Chameleon sind sehr französisch klein.

Am nächsten Tag finden wir zufällig die Teestube von Sébastien Gaudart, wo wir für ein Heidengeld Tee trinken und kleine Törtchen essen. Aber dieser Tee, dieser Tee, meine Lieben! Unterwegs treffen wir außerdem Jeanne d’Arc, die oben auf ihrem Pferd im Kreisverkehr sitzt.

Nach einem Zwischenstopp bei Fragonard mit Museumsbesuch und Parfümtestung steht dieser Tag ganz im Zeichen des Shoppings. Die Kuppel der Galeries Lafayette ist einfach wunderschön, ansonsten sind die Galeries aber ein wuseliges Luxuskaufhaus, das mir viel zu trubelig und teuer ist. In den kleinen überdachten Einkaufspassagen, die wir später entdecken, gefällt es mir dagegen sehr gut, denn hier gibt es viele kleine Geschäfte, und das hat alles irgendwie richtig Pariser Chic.

Ticketbuchungen

Sehr kompliziert, die ganze Sache mit den Tickets für die verschiedenen Sehenswürdigkeiten: Zuerst bucht man online, dann holt man die Tickets an der Touristeninformation ab. Mit diesen bucht man dann entweder per App ein Zeitfenster zum Besuch oder holt sich an einer Maschine vor Ort das Besuchszeitslotticket, womit man sich dann anstellt. Dafür hält sich die Wartezeit vor Ort dann in Grenzen und man muss nicht zwei Stunden anstehen.

Tipp: Bei vielen Attraktionen, z.B. dem Eifelturm oder den Katakomben, ebenso wie bei der Kathedrale Notre Dame lohnt es sich unbedingt, Tickets vorauszubuchen. Achtung! Jedes Ticket hat unterschiedliche Abholbedingungen, mal am Schalter, mal an der Kasse, mal ausgedruckt, mal am Automaten gezogen.

Wir warten an der U-Bahn Station Denfert-Rocherau. Jetzt geht es gleich ab in die Unterwelten von Paris. Das U-Bahnsystem hier ist wirklich super, die französische Metro ist zwar schmuddelig, aber sehr gut organisiert, und alle Tickets innerhalb der Zonen 1 bis 3 kosten 1,90 € und können am Automaten gezogen werden.

Les Catacombes de Paris

Morbide? Ich laufe an 300 Jahre alten Knochen und Schädeln auf einer Strecke von zwei Kilometern vorbei. Paris ist nicht nur von der U-Bahn untergraben, sondern auch von 250km Katakomben. Die Verstorbenen, die hier unten liegen, wurden ab 1785 in die ehemaligen Steinbrüche umgebettet, nachdem die Pariser Friedhöfe überfüllt waren und diverse Verwesungsflüssigkeiten ins Grundwasser gelangten. Insgesamt wurden gut 6 Millionen Menschen in den Katakombengängen untergebracht. Eigentlich dachte ich, dass der Besuch dort sehr gruselig sein würde, aber dann ist es doch hauptsächlich interessant.

L’Opera Garnier ist eines der schönsten Opernhäuser der Welt und war die Inspiration für „Das Phantom der Oper“. Hier würde ich gerne einmal das Musical sehen…

Eiffelturm, Montmartre und Sacré-Coeur

Den Eiffelturm erobere ich bis auf die zweite Etage hinauf und bestaune, wie grazil so viel Eisen sein kann. Wie gut nur, dass wir Tickets vorgebucht hatten…diese Warteschlange! Und in der Dunkelheit schwappt dann auch ein bisschen Romantik auf mich und meine Reisebegleitung über, als wir das Lichterspiel des Eiffelturms bewundern, auch wenn ich nicht weiß, was hier mehr blitzt: Turm oder Displays.

Tipp: Der Montparnasse Büroturm ist von außen wirklich hässlich, aber ein super Aussichtspunkt, um den Eiffelturm zu sehen.

Aber mehr als in den Eiffelturm verliebe ich mich in Sacré-Coeur und Montmartre mit den vielen Gassen und den unzähligen Malern und Zeichnern, die hier ihre Bilder ausstellen. Und nicht nur ich – soviele Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen genießen hier und heute diesen wundervollen Tag. Hier ist mein persönliches Paris.

Obwohl komplett aus Stein und sehr massiv, wirkt die Kathedrale Sacré-Coeur irgendwie ganz leicht. Hier ist wirklich ein toller Platz, um Menschen aus allen Regionen der Welt zu treffen!

Zurück nach Hause

Es schwankt immer noch… Aber inzwischen habe ich festgestellt: Es schwankt nicht nur bei mir, wenn ich im Klokämmerchen sitze – bei meiner Begleitung schwankt es auch. Es ist, als ob man sich auf einem Schiff befindet. Der Grund dafür bleibt ein ungelüftetes Geheimnis. Vielleicht ist es die U-Bahn unter dem Hotel, vielleicht eine optische Täuschung? Oder gar eine Form von Klaustrophobie? Jedenfalls heißt es jetzt: Rucksack packen! Es geht gleich von Gare de l’Est nach Hause…tschüss Hotel Taylor, tschüss Eifelturm, tschüss Paris, und tschüss Frankreich (…und tschüss kleiner Brokkoliteller mit Käseplatte).

Reiseempfehlungen

  • Tickets vorbuchen: Grade bei einem Kurzaufenthalt in Paris mit wenig Zeit, womöglich noch in der touristischen Hochsaison, lohnt es sich unbedingt, Tickets im Voraus zu buchen und bei einigen Sehenwürdigkeiten eine sogenannte „Fast Lane“ zu nutzen, bei der man bevorzugten Eintritt hat. Tickets kann man entweder direkt in der Touristeninformation kaufen (geringe Ticketkontingente!), auf den offiziellen Webseiten der Attraktionen (z.B. hier für den Eiffelturm) oder auf externen Anbietern wie „GetyourGuide“, die verschiedene Pakete anbieten. Bucht ihr bei externen Anbietern, lohnt es sich, Preise zu vergleichen.
  • Reisezeit: Wahrscheinlich hat jede Reisezeit in Paris ihren Reiz. Persönlich würde ich den heißen Hochsommer ausklammern, denn Paris stinkt in vielen Ecken, trotz zahlreicher öffentlicher Toiletten, nach Urin.
  • Nahverkehr: Das U-Bahn Netz (die Metro) ist in Paris wirklich gut ausgebaut und sehr günstig. In der Nähe des Eiffelturms gibt es verschiedene Stationen (z.B. Trocadéro (Linie 6, 9), Bir-Hakeim (Linie 6) und École Militaire (Metrolinie 8)), sodass diese Hauptsehenswürdigkeit eigentlich aus allen Ecken der Stadt gut erreichbar ist.

tantereisefieber

Eine Tasse Tee, dazu ein gutes Buch und mit der Katze auf dem Sofa. Alternativ trifft man mich irgendwo draußen im Wald.

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