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Dunkle Geschichte: Schindlers Emaillefabrik und das Konzentrationslager Auschwitz

„Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte”

babylonisches Talmud Traktat Sanhedrin 37a

Krakau: Wunderschöne Altstadt, Bummeln, Eisessen, Urlaub. Und: Deutsche Besatzung, zweiter Weltkrieg, Verfolgung, Mord und Wahnsinn. Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich mit der dunklen Seite Krakaus, und damit mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, mit Verantwortung, Fragen nach Schuld und Unschuld, Vergeben, Vergessen und Erinnern auseinandersetzen möchte. Nicht zum ersten Mal erlebe ich deutsche Geschichte als Besatzergeschichte (Guernsey, Britische Inseln) und auch ein Konzentrationslager habe ich besichtigt. Also warum noch einmal? Schaulust?

Der Besuch im Konzentrationslager ist eine Verantwortung. Durch den Besuch und die Beschäftigung mit der unmenschlichen Grausamkeit übernehme ich Wissen und Verantwortung, solche nicht wieder geschehen zu lassen. Ich zolle den Opfern meinen Respekt, denn dieser Ort war ein Versuch, ihnen jegliche Menschlichkeit abzusprechen und zu nehmen. Auschwitz ist kein Touristenziel, kein Sightseeing-Must-Have. Es ist eine Mahnung.

Oskar Schindlers Emaillefabrik

Wer auch immer ein einziges Leben rettet…

Aus der Schule erinnere ich mich dunkel an Oskar Schindler und seine berühmte Liste der Juden, die er davor bewahrte, im Konzentrationslager ermordet zu werden. Ein Spielfilm, berührend, bedrückend, aber weit weg. Bis ich vor dem Eingang der Emaillewarenfabrik, der Fabryka Emalia Oskara Schindlera, im Zentrum Krakaus stehe. Und ich stehe erst einmal gut eineinhalb Stunden, denn Tickets habe ich nicht vorgebucht. Warten ist nicht meins…aber: Was für ein Segen, dass ich heute in dieser Schlange an dieser Stelle zu dieser Zeit stehen darf.

Produktionshallen gibt es heute keine mehr, doch das Verwaltungsgebäude der Fabrik von Oskar Schindler steht noch. Nach Verstaatlichung und Nutzung als Fabrik für Telekommunikationsanlagen nach dem Krieg wurde das Gelände 2005 von der Stadt Krakau zurückgekauft und ein beeindruckendes Museum eingerichtet, das den Besucher mitnimmt durch die Zeit der deutschen Besatzung Krakaus von 1939 bis 1945 mit Schwerpunkt auf dem Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto.

Ich betrete das Fotostudio, von den Wänden schauen mich Kinder, Frauen und Männer an, alle mit Lebenszielen, Erwartungen, Hoffnungen. Themenraum für Themenraum tauche ich ein in ein Grauen, dass immer unfassbarer wird.

Wie kann so etwas geschehen?

Der letzte Tag im Frieden, Einmarsch der Deutschen, für Juden und Nicht-Juden getrennte Geschäfte; geschlossene Unversitäten, Aufbau des Ghettos, Transport der Juden nach Auschwitz… lange stehe ich vor Bildern, letzten Postkarten, einer verlorenen Brille. So viel Hoffnungslosigkeit. Und nach und nach kleine Schritte, die das Grauen nicht aufhalten, die nicht aus „Heiligkeit“ entstehen, sondern (zunächst) auch aus Wirtschaftlichkeit, und die unter hohem Risiko am Ende aber 1300 Juden vor der Vernichtung retten. Während ich durch die Ausstellung laufe, nimmt meine Bedrückung immer weiter zu. Das ist kein fröhlicher Museumsbesuch hier, das ist schwere Kost, ein Blick in den menschlichen seelischen Abgrund. Aber bei aller Bedrückung macht sich auch Bewunderung breit für Menschen, die in dunkelsten Zeiten immer wieder kleine Hoffnungszeichen setzen. Was bringt Menschen dazu, Universitätsabschlüsse im Untergrund zu machen; geheime Theater im Untergrund weiterzuführen; Menschen bei eigener Lebensgefahr zu verstecken? Was ist das Schöne in der menschlichen Seele?

In den Themenräumen sind anschauliche Stationen mit Informationstafeln, Ausstellungsstücken und Videotafeln aufgebaut. Es sind keine klassischen Museumsräume, sondern dem tatsächlichen Alltag im besetzten Krakau nachempfundene Kulissen. Der Film Schindlers Liste nimmt nur einen sehr kleinen Teil der Ausstellung ein; das Büro von Oskar Schindler kann besichtigt werden.

Hinweise – Oskar Schindlers Fabrik:

Wie kommt man hin: Aus dem Zentrum sehr einfach zu Fuß, einmal quer über die Weichsel. Vom Stare Miasto (Krakau Altstadt) kann man immer die Straße Starowislna gradeaus Richtung Weichsel laufen und braucht ca. 30 Min. zum Museum. Mit dem Zug (Station Krakow Zablocie) und verschiedenen Bussen kommt man ebenfalls hin. Als zusätzlicher Orientierungspunkt: Das Museum liegt direkt neben dem nationalen Kunstmuseum.

Und Tickets?: Wer nicht in einer (auch Corona bedingt) langen Schlange bis gut zwei Stunden draußen vor der Tür warten möchte, sollte sehr früh kommen oder noch besser die Tickets online über die offizielle Seite kaufen. Die offizielle Ticketseite ist: https://bilety.mhk.pl/?lang=en ; ein Kauf über diverse Touristenportale ist nicht notwendig. Wer ein Ticket über die offizielle Seite kauft, kommt auch zum gebuchten Zeitfenster rein.

Und sonst? Das Museum ist unbedingt zu empfehlen; auch ganz besonders, wenn man noch Auschwitz besuchen möchte. Man erhält unheimlich viel Hintergrundwissen, das helfen kann, die Erlebnisse in Auschwitz besser einzuordnen. Für kleine Kinder ist die Ausstellung nicht geeignet!

Konzentrationslager Auschwitz / Auschwitz-Birkenau

Wie kann man Grauen in Worte fassen?

Je mehr ich über den Nationalsozialismus, den zweiten Weltkrieg und die Todesmaschinerie lerne, desto unbegreiflicher wird es. Kann man Grauen in Worte fassen?

Es regnet in Strömen. Im jüdischen Viertel werde ich von einem kleinen Gruppenbus abgeholt; diese Tour mache ich komplett geführt. Bis nach Oświęcim (Ausschwitz) brauchen wir etwa eine Stunde; im Bus läuft ein Informationsfilm über Auschwitz, der zwar alt ist, aber erschreckend offen über Auschwitz berichtet. Ich schaue hin. Und dann ganz kurz weg. Die Bilder sind schwer auszuhalten.

In Auschwitz gibt es aktuell nur geführte Gruppenführungen (und ich hoffe, dieses wird aus Respekt vor dem Ort auch in Zukunft so beibehalten). Unsere Touristenguidin – es fällt mir schwer, in diesem Rahmen das Wort Führerin zu benutzen – führt uns über das Gelände, zu und in Baracken, durch den Matsch zu den Krematorien. Menschen aus allen Richtungen der Welt, 20 verschiedene Sprachen, Kinder, Frauen Männer, jung und alt – verfrachtet ins Nirgendwo, um zur Arbeit gezwungen oder direkt getötet oder als Material zerlegt zu werden.

Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ob und wieviel ich in Auschwitz fotografieren möchte. Für mich ist nicht das Fotografieren an sich dort ein Problem, sondern das wie. Braucht man das „lustige Todesselfie vor der Erschießungswand“? Sicher nicht. Fotos als Dokumentation, dass man diesen Ort besucht hat? Warum nicht? Fotografieren ist in Auschwitz grundsätzlich nicht verboten. Es gibt jedoch einzelne Ausnahmen, z.B. ein großes Glasfenster mit zwei Tonnen Haaren von ermordeten Menschen. Für mich persönlich habe ich mir in Auschwitz die Frage gestellt, warum ich etwas fotografieren soll, was andere viel besser, respektvoll und mit viel Taktgefühl bereits dokumentiert haben. Und daher gibt es an dieser Stelle nur wenige Bilder. Vielmehr möchte ich euch dringend den Beitrag von Breitengrad 66 ans Herz legen; eine wunderbare Fotoblogreportage mit ausdrucksstarken Bildern und viel Emotion: https://www.breitengrad66.de/2014/03/18/ein-besuch-in-auschwitz/

Vieles, was ich an diesem Tag erfahre, berührt mich tief: Tod oder Arbeitslager nach Handzeichen des Arztes auf der „Judenrampe“, willkürliche Erschießungen bei Flucht von Mithäftlingen, Geschichten von Krankheit, Hunger und jeder muss sich selbst der Nächste sein. So viel Dunkelheit – das muss der tiefste Abgrund der menschlichen Seele sein. Und dennoch: Immer wieder gibt es auch kleine Geschichten von Hoffnung, von Leben: Kinder, die nach Sterilisationsexperimenten von Mengele doch noch geboren werden; die Geschichte von Pater Kolbe…

„Am 29. Juli 1941 wurden Männer als Vergeltungsmaßnahme für die nur vermutete Flucht eines anderen Häftlings, dessen Leiche später gefunden wurde, zur Ermordung aussortiert. Als einer der Männer, Franciszek Gajowniczek, der eine Frau und zwei Söhne hatte, in lautes Wehklagen um sich und seine Familie ausbrach, bat Pater Kolbe den Führer des Häftlingslagers Karl Fritzsch darum, den Platz von Gajowniczek einnehmen zu dürfen, und wurde am 31. Juli 1941 in den berüchtigten „Hungerbunker“ des Blocks 11 gesperrt. […] Am 14. August wurden Pater Kolbe und drei andere Verurteilte, die noch nicht verhungert waren, durch Phenolspritzen […] umgebracht und im Krematorium verbrannt. Gajowniczek überlebte das Konzentrationslager und starb 1995.“ – Wikipedia, Stand: 01.09.2021

Sehr, sehr nachdenklich verbringe ich meinen letzten Tag in Krakau.Vielmehr als jeder Geschichtsunterricht hat mich dieser Besuch in Auschwitz berührt. Warum steht ein Besuch im Konzentrationslager nicht als Pflichtbesuch in jedem Unterrichtscurriculum? Urlaub war dieser letzte Tag nicht, und dennoch bin ich froh, nach Auschwitz gefahren zu sein. Dieser Ort, die Geschichte der Menschen dort, hat mich tief berührt.

Hinweise – Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

Wie kommt man nach Auschwitz? Vom Hauptbahnhof Krakau (Kraków Główny) aus mit dem Zug oder dem Bus bis zum Hauptbahnhof von Oświęcim, dann hat man noch ca. 3 km Laufweg vor sich, die Fahrt dauert ca 1 1/2 Stunden. Alternativ kann man mit einem Busunternehmen, z.B. von Lajkonik (Fahrplan nach Auschwitz), fahren, die mehrmals täglich hin und her fahren. Sehr komfortabel (aber auch teurer) fährt man mit einem privaten Touranbieter, der einen am Treffpunkt abholt und wieder zurückbringt. Über diese Tourguides bekommt man z.B. Infos bei der Touristeninformation in Krakow, oder man bucht direkt online über entsprechende Portale wie getyourguide oder tripadvisor. Hier bekommt man auch Pakete, bei denen man an einem Tag nicht nur Auschwitz, sondern auch das Salzbergwerk Wieliczka besuchen kann – für mich war dieses keine Option, denn ich wollte für beide Orte ausreichend Zeit haben. Meinen Ausflug nach Wieliczka findest du hier.

Tickets: Man benötigt ein Ticket für eine Gruppenführung, das man online direkt bei https://visit.auschwitz.org/(offizielle Seite) kaufen kann. Bucht man eine Tour ab Krakau, ist das Ticket für Auschwitz schon meist mit drin. Achtung: In Auschwitz muss man durch einen Sicherheitscheck und die Taschen werden wie am Flughafen kontrolliert. Das Ticket für Auschwitz beinhaltet den Besuch in Auschwitz (Museum Gedenkstätt) und in Auschwitz-Birkenau („Judenrampe“). Zwischen beiden gibt es Pendelbusse, alternativ kann man zu Fuß gehen.

Hinweise: Auf dem Gelände bewegt man sich fast ausschließlich draußen, außer bei der Besichtigung einzelner Blöcke, in denen Objekte oder Bilder ausgestellt sind. An einem Regentag wird es draußen sehr matschig, nicht alle Wege sind asphaltiert. Wer unvorbereitet kommt, kann am Kiosk in der Gedenkstätte Regenponchos für kleines Geld kaufen. Die Ausstellung ist für Kinder nicht geeignet!

Oma Annis Tour: Blick auf Eckernförder Bucht – Steilküste und Dünen Loop

Manchmal führt einen der Zufall zurück an Orte, an denen man vor langer Zeit Erinnerungen gesammelt hat, ohne dass man wusste, wie wertvoll diese Erinnerungen einmal sein würden. Und plötzlich steht man da; überrascht von den kleinen Erinnerungsblitzen, etwas wehmütig, und dankbar. Denn auch wenn der Mensch gegangen ist, bleibt viel von der Liebe zurück.

Reisesehnsucht: 10 Sehnsüchte, die uns antreiben, auf eine Reise zu gehen

Was treibt mich an, eine Reise zu unternehmen, egal ob kurz und nah oder lang und weit? Warum verspüre ich einen inneren Drang zu reisen? Ich habe doch zu Hause alles, was ich brauche? Soviel Sehnsucht steckt in einer Reise; Sehnsucht nach Entspannung, Abenteuer, und vielleicht auch die Sehnsucht nach uns und unserem Zuhause.

Coronavirus: Reisen oder zu Hause bleiben?

Reisen oder zu Hause bleiben? Die kurze Antwort: Ich weiß es für mich grade nicht. Eigentlich steht in wenigen Tagen eine Reise an, nach Italien – und grade trudeln die Nachrichten rein, dass in Italien die Regionen Venetien, Lombardei und Piemont Absperrungen durchgesetzt werden, die eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus verhindern sollen. Auch Hotels stehen teilweise unter Quarantäne, Schulen, Kindergärten, Behörden bleiben geschlossen. Zeitgleich werden die ersten Fälle aus verschiedenen Regionen in Deutschland gemeldet.

Reisebücher: Und wenn das Buch auf Reise geht

Bücher haben Charakter, sie tragen Wissen in sich herum, sind manchmal eitel, manchmal kompliziert, manchmal einfach nur liebenswürdig, manche begleiten einen wie Steine, schwer zu tragen, und manche sind so zauberhaft, dass sie einen nicht loslassen. Mal verspricht der Deckel mehr als die inneren We/orte, manchmal ist es andersrum. Nicht jedes Buch gefällt jedem Leser (und nicht jeder Leser jedem Buch?). Und so gibt es Bücher, die liebevoll zerlesen im Regal stehen, und Bücher, die ihren Regalplatz noch nicht gefunden haben. Diese Bücher werden bei mir zu „Reisebüchern“.

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Und was hindert dich zu reisen? 10 Gründe, die vom Reisen abhalten

„Reisen bedeutet Grenzen zu überschreiten, auch die eigenen.“

Wanda Rezat

„Wow!“, schießt es mir durch den Kopf. „Da muss ich auch hin…unbedingt.“ Ich scrolle mal wieder durch Instagram und bewundere Orte, die ich nicht kenne, aufgenommen von Menschen, die ich nicht kenne. „Warum war ich noch nicht da?“ Es gibt so viele Gründe zu reisen, aber genau so viele, wenn nicht noch mehr, es nicht zu tun. Ob bewusst gewählt, gewünscht oder gezwungen. Viele Reisen von denen, die ich im Kopf durchspiele, mache ich nur dort. In meinem Kopf. Warum? Was hindert mich daran, zu reisen?

Was hindert dich daran, eine Reise zu machen,
von der du eigentlich träumst?

Photo by Dino Reichmuth on Unsplash
Photo by Dino Reichmuth on Unsplash

10 Gründe, die von einer Reise abhalten

Wenig Geld

Reisen kann man günstig, und Reisen kann man teuer, aber immer und in jedem Fall kostet es Geld. Ich persönlich brauche keinen Luxus, aber ein eigenes Zimmer. Ich brauche keinen First Class Flug, aber schnellen Transport von A nach B. Ich bin irgendwo mittendrin. Da für mich Reisen außerdem zum Zweck der Entspannung und des Entdeckens sind, kommt für mich persönlich Work-and-Travel nicht infrage. Und so muss das Geld zwischen den Reisen verdient werden. Das Geld bestimmt nicht nur die „luxuriöse“ Ausstattung der Reise, es bestimmt auch die Reisedauer (und andersrum genauso). Die Reise geht so lange, wie das Geld reicht. Manche „pausieren“ ihre Reise jeweils vor Ort, arbeiten dort ein bisschen, und reisen dann weiter. In Spanien habe ich einen Reisenden getroffen, der drei Monate in Deutschland in einem Telefoncenter durchackert, um dann die anderen neun Monate des Jahres Low-Budget durch die Welt zu reisen. Und ich mache es ganz klassisch: Arbeiten, und dann Urlaub nehmen.

Zeit ist knapp

Zeit ist kostbar, besonders, wenn man nur wenige Tage im Jahr Urlaub nehmen kann, weil man in einem normalen Vollzeitjob feststeckt. Manchmal gibt es auch „Zwangstage“, an denen man Urlaub nehmen muss, z.B. weil der Betrieb in dieser Zeit schließt. In meinem Job habe ich normalerweise 28 Urlaubstage, dazu einzelne Tage überstundenfrei. Für mich bedeutet das: Kalender wälzen, noch mal wälzen, dann noch einmal – um die besten Kombinationen von Wochenenden, Gleitzeittagen, Feiertagen und Urlaubstagen zu finden. So lange frei mit so wenig Urlaubstagen wie möglich ist mein jährliches Ziel.

Angst

Gegen Angst hilft genau eine Sache: Es tun. Vielleicht in Etappen, aber es tun. Solange das Ziel eines ist, das man wirklich erreichen möchte.

Mein Ziel war es, alleine zu reisen – Städtetouren, Wegfliegen. Ich wäre auch gerne so mutig, mich alleine durch irgendwelche Nationalparks zu schlagen, aber das unangenehme Gefühl würde mich begleiten, auch, weil so eine Aktivität eine ist, die ich gerne tun würde, die aber kein Herzenswunsch von mir ist, jedenfalls nicht alleine. Da bin ich zu sehr Kopf. Angst vor dem Fliegen, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor der Nacht im Hotelzimmer, Angst vor den fremden Menschen, Angst vor …[beliebig ausfüllbar].

Aber wie sagt man: Angst entsteht im Kopf. Aus den Gedanken, die wir uns machen über die Dinge, die vielleicht geschehen könnten – mit uns auf Reisen, oder zu Hause in unserer Abwesenheit, oder beides.

Aber wie sagt man?
Angst entsteht im Kopf.

Heimweh

So ein kleines bisschen Heimweh unterwegs ist irgendwie etwas Schönes, ist es doch die Sehnsucht nach Orten und Menschen, die uns gut tun. Aber wie geht man mit Heimwehgefühl um, das allein bei dem Gedanken kommt, man könnte wegfahren und Heimweh bekommen? Und was, wenn es so stark wird, dass man gar nicht erst fährt? Tatsächlich denke ich, dass Heimweh, dass so stark ist, dass es mich aufhält, gar nicht nur Heimweh ist, sondern Angst mit im Paket steckt. Und dann muss ich mir die Frage stellen, wovor.

Fehlende Reisepartner

Ich würde gerne… wenn ich doch nur… nicht alleine wäre, jemand mitkommen würde. Tja. Alle, die ich gerne dabei hätte, haben entweder „reiseunpraktische“ Familie, müssen Arbeiten, haben keine Zeit, grade kein Geld, sind mit dem Partner unterwegs.

Im Augenblick ist bei mir nicht immer jemand da zum mitfahren, sodass ich die Wahl habe zwischen:
a) nicht zu reisen
b) mit einer mir unbekannten Person zu reisen
c) alleine reisen

Vor meiner ersten richtigen Soloreise nach Spanien war ich sehr sehr aufgeregt, obwohl ich vorher schon zig Male mit anderen gereist bin und auch mehrfach alleine geflogen bin. Aber so eine Reise, mit Hotelaufenthalten, Touren und Sightseeing…die war vorher noch nicht dabei. Und dann jagen die Gedanken: Wird es nicht deprimierend sein, alleine im Café zu sitzen, ohne jemanden, der sich mit mir unterhält? Werde ich abends im Hotelzimmer Panikattacken bekommen, weil ich nach Hause will? (Auf beide Fragen: Nein :)! Tatsächlich ist es so, dass ich durch das Alleinreisen neue Bekanntschaften gemacht habe, zu denen bis heute Kontakt besteht, einfach, weil ich aus meiner Komfortzone raus war. )

Organisation überfordert

Jede Reise ist anders, und jeder ist ein anderer Reisetyp. Von der Pauschalreise mit Flug, Hotel und Ausflugspaket über Kreuzfahrten, bei denen nichts organisiert werden muss bis zur Self-Made-Baukastenreise ist für jeden etwas dabei. Ein Hindernis kann die Reiseorganisation sein, wenn man eigentlich keine Pauschalreise machen möchte, denn dann gehört ein bisschen Planungsmotivation dazu. Ich plane meine Reisen gerne, mache gerne Tabellen, in denen ich Tage vorplane, Aktivitäten zusammensuche, Kosten kalkuliere. Ich mag es zu wissen, an welchem Tag ich was mache – wobei da durchaus auch auch flexibel umgeplant oder etwas weggelassen werden kann. Was ich nicht kann? Mich in den Flieger setzen und nicht wissen, wo ich die nächste Nacht verbringe…oder die nächsten zwei Nächte. So etwas würde mich so stressen, dass ich die Zeit nicht genießen könnte, vorallem, wenn ich alleine reise.

Seinen Reisetyp nicht kennen

Durch Instagram und Co wird uns ständig gezeigt, wie „aufregendes“ Reisen geht. Tolle Bilder von tollen Orten mit beeindruckenden Berichten (meist ohne Tiefs und voller Hochs) gaukeln uns vor, dass es DAS ultimative und einzig richtige Reiseerlebnis gibt – soviel aus einer Reise rausholen, so viel Abenteuer, wie möglich. Wie schnell gerät man da in einen Strudel des „Mithalten“ wollens / müssens? Und wie schnell findet man sich in einem Reisestil, der nicht der eigene ist? Backpacking ist schick, die Abenteuergeschichten von Backpackern aufregend, und die Bilder wundervoll. Aber bin ich ein Backpacker-Reisetyp? Ist das, was andere genießen, wirklich die Art, wie ich reisen will? Warum ich reisen will?

Es gibt so viele Reisetypen – Backpacker, Camper, Aktivurlauber, Strandlakenausleger, Hoteljunkies und Waldpfadsucher, Low-Budget oder Luxusurlaub ohne Limit. Zu Fuß vom Nordkap bis nach Südafrika oder mit dem Flieger von Düsseldorf nach Frankfurt…(den Umweltaspekt dabei außen vor…).

Welcher Reisetyp bist du?

Ich reise gerne mittig. Kein Hostel mit Mehrbettzimmer (ich kann nicht mit Atmern und Schnarchern) aber Luxus brauche ich auch nicht. Ich möchte Sehenswürdigkeiten, Wellness weniger, Strandmatte gar nicht. Ich brauche keine Clubs, dafür nette Straßencafés. Keinen Infinitypool, aber ein sauberes, bequemes Bett. Reisebegleitung, wenn ich sie mag – aber ohne geht’s auch.

Und seit ich weiß, wie ich gerne reise, weil es mir gefällt, weil ich es mir so leisten kann, oder warum auch immer, und es dann auch so tue, ist der Druck raus. Der Druck „mithalten“ zu müssen, der Druck, den man sich selber macht, vor den Arbeitskollegen, die von ihrem Urlaub im Luxushotel vorschwärmen…

Nicht die Reise definiert mich, sondern ich die Reise. Und dann schaue ich, was die Reise mir schenkt.

Persönliche Voraussetzungen

Der obere Punkt hängt für mich sehr stark mit dem Kennen des eigenen Könnens, mit der richtigen Selbsteinschätzung zusammen. Gerne würde ich einmal oben auf dem Mount Everest stehen – konditionell und von meiner psychischen Belastbarkeit bin ich nicht nur den Mount Everest davon entfernt. Passen Zweck meiner Reise und körperliche und psychische Verfassung zusammen? Was möchte ich von mir fordern? Was kann ich von mir fordern? Und welche Zwischenschritte würden es mir vielleicht doch ermöglichen, das Ziel zu erreichen?

Hinzu kommt, dass manche körperlichen oder psychischen Belastungen bestehen können, die einen auf einer Reise begleiten werden – und dann ist wieder Organisationstalent gefragt: Wo bekomme ich ein Hotel her, das ein rollstuhlgerechtes Zimmer hat? Gibt es die Museeumsführung auch in Blindenschrift oder in Gebärdensprache? Gibt es Assistenzdienste, die es ermöglichen, Sightseeing zu erleben, obwohl die Phobie einem sagt, man solle sich am besten im Zimmer einschließen?

Sorgen um die Sicherheit auf Reisen

Für jeden bedeutet Sicherheit etwas anderes, aber in jedem Fall eine körperliche und psychische Unversertheit bzw. Absicherung im Notfall.

Als ich das erste Mal alleine weggefahren bin, habe ich mir nicht nur allgemein Gedanken darum gemacht, wie es ist, alleine wegzufahren, sondern auch, wie es ist, als Frau alleine wegzufahren. Wichtig dabei: Wo geht die Reise hin? Denn als alleinreisende Frau in Spanien verhalte ich mich anders als alleinreisende Frau in Indien oder in Marokko oder in [beliebig ergänzen]. Es schadet nie, sich mit kulturellen Besonderheiten eines Landes vertraut zu machen. Eine für mich wichtige Regel:

Listen to the locals!

Auf die Einheimischen hören – wenn ein Ortskundiger mir sagt: Gehe im Dunkel nicht durch Stadtviertel X oder Straße Y – dann tue ich es nicht. Ich muss das Rad nicht neu erfinden.

Krank werden kann man unterwegs immer! Deswegen ist das A & O eine gute Auslandsreiseversicherung mit Rücktransport im Schadensfall. Diese kostet wenig Geld, bringen aber ein hohes Maß an medizinischer Sicherheit.

Sorgen um die Sicherheit zu Hause

Auf einer kurzen Reise für wenige Tage macht man sich meist weniger Sorgen um zu Hause oder um die, die zu Hause auf einen warten. Alles noch einmal kontrolliert – Bügeleisen aus? Herd aus? Tür zu, fertig.

Was aber, wenn es Personen oder Tiere gibt, um die man sich während einer Reise Sorgen macht? Vielleicht hat man eine Person mit Betreuungsbedarf, die zu dieser Zeit woanders betreut wird, vielleicht hat man ein Haustier, das versorgt werden muss. Vielleicht hat man eine besondere Pflanzensammlung oder macht sich Gedanken, wie der Balkon den nächsten Sturm überstehen soll. Vielleicht hat man die Sorge, bei Wiederkehr einen überquellenden Postkasten und jede Menge unbezahlte Rechnungen zu finden. Sorgen, die das eigene Heim betreffen, wenn man auf Reisen ist, gibt es viele.

Ich persönlich benötige immer einen Katzensitter, und inzwischen leider auch einen, der sich mit Medikamentengabe auskennt und bereit ist, im Notfall ratzfatz den Tierarzt aufzusuchen. Auch wenn ich dem Katzensitter vertraue, bleibt ein kleiner mulmiger Restgedanke, der besonders kurz vor Abreise riesig wird. Inzwischen habe ich eine Infomappe angelegt, in der alles aufgeschrieben steht (Vorgehen im Notfall, Notfallnummern, etc.), sodass die Betreuungsperson alle Infos hat, die wichtig sind. Dennoch kommt manchmal der Gedanke, ob ich nicht lieber zu Hause bleiben soll.

Reise, und du lernst dich kennen

Es sind so viele Faktoren, die einen vom Reisen abhalten können, obwohl man so gerne wegmöchte. Vortasten hilft dabei, sich an die eigene persönliche Wohlfühlreise, die eine perfekte, persönliche Balance aus Anforderung, Entspannung und Aufregung bietet, vorzutasten. Und je weiter man sich vortastet, desto weiter wird der Wohlfühlradius. Egal wie du reist, wohin und mit wem. Es ist deine Reise. Ganz allein deine Reise. Und wohin es dich führt: Ich wünsche dir ganz wundervolle Momente!

Die Vier-Tage-Arbeitswoche: Mehr Zeit für mich

Stress! Wer hat ihn nicht. Weg von der klassischen Vollzeitwoche hin zur Vier-Tage-Woche war mein Projekt. Ich habe Arbeitszeitpläne geschmiedet, Kalender und Feiertage studiert, Pläne verworfen und vor allem das Gespräch mit meinem Chef vor mir hergeschoben. Aber es gibt so Gedanken, die bleiben hängen – die lassen einen nicht los. Und sie wachsen, und je mehr sie wachsen, desto richtiger fühlen sie sich an.