Coronavirus: Reisen oder zu Hause bleiben?

„und niemand wird je frei sein, solange es Plagen gibt“

Albert Camus – Die Pest

Seit registriertem Ausbruch der Infektionen mit dem Coronavirus (COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2)) im Dezember 2019 sind bis heute weltweit 81.245 Erkrankungsfälle gemeldet, davon sind 2.770 Menschen verstorben. Inzwischen wurde das Virus in mehr als 40 verschiedenen Ländern registriert. (Stand 26.02.2020 Quelle: Bundesgesundheitsministerium)

Hinweis: Verlinkungen in diesem Beitrag führen zu den jeweiligen Webseiten und verlinken nicht direkt auf Infoflyer, damit jeder auf den Webseiten immer die aktuellsten Informationen bekommt.

Symbolfoto zur Verfügung gestellt von Free To Use Sounds

Reisen oder zu Hause bleiben? Die kurze Antwort: Ich weiß es für mich grade nicht. Eigentlich steht in wenigen Tagen eine Reise an, nach Italien – und grade trudeln die Nachrichten rein, dass in Italien in den Regionen Venetien, Lombardei und Piemont Absperrungen durchgesetzt werden, die eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus verhindern sollen. Auch Hotels stehen teilweise unter Quarantäne, Schulen, Kindergärten, Behörden bleiben geschlossen. Zeitgleich werden die ersten Fälle aus verschiedenen Regionen in Deutschland gemeldet.

Abwarten ist meine Devise und spontan entscheiden. Unterkunft und Flug sind eh bezahlt. Wenn das Geld dann weg ist, ist es weg, aber Reisewarnungen nehme ich ernst. Besteht die Gefahr, dass Grenzen geschlossen werden? Aktuell eher (noch) nicht. Besteht die Möglichkeit, plötzlich irgendwo in einem Ort in Quarantäne zu sitzen? Möglich. Sollte kurz vorher absehbar sein, dass meine Beweglichkeit auf meiner Reise (aus gutem Grund) eingeschränkt werden könnte, z.B. durch eine Quarantäne, dann würde ich nicht fahren.

Fährst du, planst du um oder streichst du deine Reise?

Information zu Reisehinweisen

Das Bundesministerium für Gesundheit hat zusammen mit dem Robert Koch Institut Reisehinweise herausgegeben. Einen aktuellen Flyer mit Informationen für Reisende in verschiedenen Sprachen gibt es hier.

„Die Krankheit wird von Mensch zu Mensch, primär über Sekrete der Atemwege, übertragen. Nach einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen können folgende Symptome auftreten: Fieber, Husten, Atemnot“ Quelle: Information für Reisende auf RKI.de – Stand 26.02.2020

Stellt man nach der Einreise aus Gebieten, in denen COVID-19-Fälle vorkommen, innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber, Husten und Atemnot fest, wird empfohlen, zu anderen Personen Abstand zu halten, zu Hause zu bleiben und nach telefonischer Anmeldung einen Arzt aufzusuchen.

Für genaue Informationen zu einzelnen Ländern findet man beim Auswärtigen Amt Infos zur aktuellen Lage. Teilweise ist, je nach Land, mit verschärften Grenzkontrollen und drohender Quarantäne zu rechnen. Wer seinen Urlaub zeitlich knapp kalkuliert hat und vielleicht dringend danach wieder zu Hause sein sollte, sollte hier einmal nach seinem Reiseziel stöbern: Auswärtiges Amt – Reise- und Sicherheitshinweise

Wo gibt es Infos zu aktuellen Entwicklungen?

Reisen: Als Virus per Anhalter um die Welt

In diesen Tagen geht es eigentlich um zwei Dinge: Steckt man sich an? Und trägt man weiter? Dabei geht es aus meiner Sicht nicht nur, dafür aber absolut aktuell, um das Corona-Virus, sondern auch ganz allgemein um das Bewusstsein, mit dem wir uns in sehr kurzer Zeit in sehr großen Gebieten bewegen, und das dieses Krankheitserregern allgemein wunderbare Ausbreitungsmöglichkeiten bietet.

Wir Reisende bieten dem Virus eine perfekte Mitfahrgelegenheit: Wir reisen schnell, mit vielen anderen Menschen im Kontakt; und wir reisen oft auch dann weiter, wenn wir uns krank fühlen. Das Virus fährt per Anhalter und das sehr erfolgreich.

Die eigene Verantwortung auf Reisen

Sollten wir nicht mehr reisen?

Nicht mehr reisen als Selbstschutz und auch als Fremdschutz? Wenn keiner mehr reisen würde (ja, utopisch, aber wenn), wie würde sich so eine Pandemie entwickeln?

Und wo beginnt meine Verantwortung, wo endet sie? Ich passe auf mich und meine Gesundheit auf; zumal ich davon überzeugt bin, dass man mit guter Hygiene (regelmäßig Händewaschen!) schon sehr weit kommt. Aber einen 100% Schutz bieten eben auch Händewaschen und Atemmaske nicht, besonders dann nicht, wenn man mit vielen anderen Menschen zusammen auf engem Raum ist. Und wieviel Schutz haben andere vor mir? Wie sieht es mit meiner Verantwortung aus, nicht zu meinem Vergnügen zu reisen, auch wenn die Möglichkeit besteht? Allein weil ich weiß, dass jede Reise eine neue „Mitfahrgelegenheit“ bieten kann? Und wie hoch ist das Risiko, dass ich bewusst eingehen würde?

Dieses sind keine Fragen, die ausschließlich bei Corona gestellt werden, sie betreffen jegliche Art von Krankheit, die durch menschliche Kontakte auf Reisen (z.B. durch Tröpfcheninfektion über Niesen, Husten, etc.) übertragen werden kann. Nur sind sie jetzt grade sehr aktuell. Gleiche Überlegungen kann man sich auch zur Grippe machen – aber die Grippe ist uns bekannt, und bei aller Übertragbarkeit und auch vorhandenen Todesfällen: Das Bekannte hat weniger Schrecken und ist vielleicht ein kleines Bisschen berechenbarer.

Hygiene, Hygiene, Hygiene (und eine Reisekrankenversicherung)

Nicht nur auf Reisen, aber dort um so mehr: Hygiene ist DAS Mittel, um sich vor vielen Erregern und Krankheiten zu schützen, besonders in Kombination mit der Vermeidung von Menschenmengen. Einen guten Überblick bietet die Seite Infektionsschutz.de mit Hygienetipps.

Besonders wichtig:

  1. Händewaschen! Häufig und gründlich! Wusstest du, dass sich z.B. durch regelmäßiges Händewaschen das Risiko, an einer Durchfallerkrankung zu erkranken halbiert? Seifenliebe! ♥
  2. Husten und Niesen mit ausreichend Abstand zu anderen Personen – ab ins Taschentuch oder in die Armbeuge und nicht in die Handflächen – sonst direkt und ohne etwas anderes anzufassen: Starte bei Punkt 1.

Unterwegs kann es manchmal schwierig sein, die Handhygiene so wie zu Hause aufrecht zu halten. Hier ist meine Devise: Gelegenheiten nutzen! Öffentliche Toiletten bieten Gelegenheit, sich die Hände zu waschen; ebenso Cafés oder Restaurants, auch Tankstellen (Aber: Nach dem Waschen möglichst nicht die Türklinken berühren (oder nur mit einem Papiertaschentuch oder Ärmel), sonst hat man gleich wieder eine Erregerkleingartenanlage auf der Hand!) Und auch wenn ich kein großer Fan von Handdesinfektion im privaten Bereich bin (sondern eher die Wasser und Seife Freundin) – unterwegs halte ich, grade bei Krankheitswellen, kleine Flaschen mit Desinfektionsmittel für hilfreich (z.B. nachdem man an dem Touchscreen, denn viele Menschen vor einem berührt haben, sein Verkehrsticket gezogen hat).

Keinen Schutz vor Krankheit bietet eine Reisekrankenversicherung, aber sie gewährleistet im Krankheitsfall eine gute medizinische Versorgung. Aber wie sieht es bei Corona aus? Neugierig habe ich meine Reisekrankenversicherung gecheckt und festgestellt, dass sie alle durch eine mögliche Coronainfektion auf Reise anfallenden Behandlungskosten abdeckt. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes allein (oder der Wunsch, nicht mehr zu reisen) oder ein hohes Ansteckungsrisiko stellen dagegen kein zu versicherndes Ereignis dar.

Lesestoff

  • Linni berichtet in ihrem Blog Ombidombi.de von ihrem Leben mit ihrer Familie in Peking – unaufgeregt und ohne Panik beschreibt sie den Alltag mit ihren Kindern – von Ausflügen bis zur Schulquarantäne wegen des Corona Erregers
  • Infos zur aktuellen Situation in Italien sowie zu Reisestornierungen und Storno-Kosten gibt es z.B. beim ADAC

tantereisefieber

Eine Tasse Tee, dazu ein gutes Buch und mit der Katze auf dem Sofa. Alternativ trifft man mich irgendwo draußen im Wald.

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3 thoughts on “Coronavirus: Reisen oder zu Hause bleiben?

  1. Glücklicherweise (oder auch nicht, das wird sich noch zeigen…) dauert es noch ein Weilchen, bis die nächsten Reisen bei mir anstehen. Es geht in April nach Irland und in September nach Kanada, beides Länder, in denen noch keine Fälle bekannt sind. Mal schauen, wie sich alles entwickelt, ich hoffe auf warmes Wetter, das die Krankheit eindämmen lässt. Hätte ich eine Reise nach Italien gebucht, wüsste ich tatsächlich nicht, wie ich damit umgehen würde.

    Liebe Grüße
    Kasia

    1. Ich drück dir und uns allen die Daumen, dass dieses Virus bei wärmeren Temperaturen klein beigibt und dir persönlich, dass du beide Reisen unbeschwert machen kannst. Die Ziele sind wundervoll! Italien…ich habe bisher keinen Plan und schaue mir die tägliche Nachrichtenlage an.

      Liebe Grüße!

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