Die Vier-Tage-Arbeitswoche: Mehr Zeit für mich

Das Einzige, was mich je entmutigt, ist der Gedanke an die vielen Dinge, die ich gerne tun möchte, und die wenige Zeit, die ich dafür habe.

Thomas A. Edison

Teilzeitmodelle, Gleitzeitmodelle, Home-Office, Vollzeit. 40 Stunden, 38 Stunden, 20 Stunden – oder irgendwo mittendrin. Wir arbeiten inzwischen nach so unterschiedlichen Modellen, wie unsere Leben sind. Prioritäten verändern sich; Karriere, Geld, Familie, Besitz, Freunde, Zeit werden neu sortiert.

Seit ich meinen neuen Job vor vier Jahren begonnen habe, arbeite ich Vollzeit, wobei ich bereits alle 2 Wochen einen Tag frei mache und Überstunden abbaue. Dieser freie Tag gibt mir so viel Freiraum, so viel Flexibilität und so viel Ausgleich und Gelassenheit, dass ich die Überstunden an den anderen Tagen in Kauf nehme. Wie oft kommt es vor, dass Samstag mit Erledigungen gefüllt ist, die man unter der Woche nicht schafft, und Sonntag aufgeteilt werden muss zwischen Familie, Besuchen, Wunschaktivitäten…irgendwas bleibt auf der Strecke. Und wenn es die eigene Erholung ist. Alleine im Monat zwei „lange“ Wochenenden zu haben, an denen ich freitags Pflichtkram ohne Zeitdruck erledigen kann, ist so viel wert.

Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest.

Tu sie jetzt.

Paul Coelho

Und seit einiger Zeit überlege ich hin und her: Soll ich verkürzen auf vier Tage Arbeit pro Woche? Jede Woche? Bin ich bereit, für den zusätzlichen freien Tag Abstriche beim Gehalt zu machen, weil ich meine Stunden verkürzen muss? Oder schaffe ich eine 4-Tage-Woche bei voller Stundenzahl und gleichem Gehalt? Geht es mir mit dem zusätzlichen freien Tag so gut, dass er den Stress der verlängerten Arbeitstage aufwiegt?

Ich habe Arbeitszeitpläne geschmiedet, Kalender und Feiertage studiert, Pläne verworfen und vor allem das Gespräch mit meinem Chef vor mir hergeschoben. Aber es gibt so Gedanken, die bleiben hängen – die lassen einen nicht los. Und sie wachsen, und je mehr sie wachsen, desto richtiger fühlen sie sich an.

Meine liebsten Dinge im Leben sind kostenlos. Es ist wirklich klar, dass die kostbarste Ressource, die wir alle haben, die Zeit ist.

Steve Jobs

Jeder hat so seine eigenen Gründe, seine Arbeitszeit zu verändern.

Für mich sind die Vorteile der Vier-Tage Woche:

  • Raum für Kreativität: Ich bin ein kreativer Mensch. Fotografie, Nähen, Basteln… Doch am Abend, wenn ich spät von der Arbeit komme, ist nicht mehr viel Energie für irgendwelche kreativen Arbeiten vorhanden. Batterie leer, aus die Maus. Der freie Tag in der Woche bietet mir planbare Zeit, meinen kreativen Hobbies nachzugehen.
  • lange Wochenenden: Freitag, Samstag, Sonntag – drei Tage am Stück sind perfekt für kleine spontane Kurzreisen, für Besuche bei weit entfernten Freunden, für Ausflüge mit Übernachtung. Und wenn noch ein Feiertag dazukommt, kann man auch schon mal längere Touren planen.
  • mehr Flexibilität mit Terminen: Auto, Arzt, Einkaufen, und, und, und… Wie oft habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich Termine unterbekommen soll. Dabei habe ich schon das Glück, so flexibel zu arbeiten, dass ich meine Stunden, die ich auf der Arbeit fehle, nacharbeiten kann. Dennoch mache ich davon sehr ungerne Gebrauch.
  • Luft holen: Mein Job ist anspruchsvoll. Ich höre zu und kümmere mich aus ganzem Herzen um die Nöte von Kindern, Jugendlichen und ihre Familien. Dabei geht es nicht nur um schlechte Noten, sondern auch um Ereignisse, die noch viel mehr wie eine Lawine durch ein Leben rollen. So ein Tag mitten in der Woche gibt mir die Zeit, in der es um mich geht. Um mich, und um die Menschen, die mir persönlich wichtig sind. Um meine Familie. Und um meine Freunde. Und dann habe ich am nächsten Tag wieder Kraft für andere Familien.
  • Familienzeit: Meine Familie ist mir wichtig. Schon immer. Aber seit ich aus meiner Auswanderungszeit zurück bin, ist mir bewusst, wie kurz die Zeit ist, die wir alle gemeinsam haben. Und bei den Personen, die schon gehen mussten, bin ich so dankbar für die Zeit, die ich mir genommen habe, um sie gemeinsam zu verbringen.

Ich werde später nicht denken: Ach, hätte ich mehr Zeit im Büro verbracht.
Ich werde denken: So ein Glück, dass ich Zeit verbringen durfte mit denen, die ich liebe und dem, was ich mag.

Und die Nachteile der Viertagewoche?

  • längere Arbeitstage: Arbeitet man 40 Stunden Vollzeit an vier Arbeitstagen zu je 10 Stunden mit zusätzlicher Pause weg? Oder geht man lieber auf 36 (4×9) oder 32 (4×8) Stunden runter?
  • Geld: Oftmals heißt eine Stundenreduktion auch eine Gehaltsreduktion, die man sowohl auf dem Bankkonto als auch z.B. später bei den Rentenansprüchen merkt.

Das Gespräch mit dem Chef suchen

Vorbereitung ist bei mir alles. Damit meine ich nicht so sehr das Pläneschmieden, sondern das im Kopf Durchsprechen. Normalerweise gibt es für solche Themen Mitarbeitergespräche, aber ein Mitarbeitergespräch einfordern bedeutet für mich auch Wartezeit, in der ich mir alle möglichen Gedanken mache. Zum Glück kann ich mit meinen Chefs auch zwischen „Tür und Angel“ sprechen und im geeigneten Moment einfach mit der Sprache rausrücken. Mein Anliegen wurde von meinem Chef übrigens sehr positiv aufgenommen, nicht negativ kritisch, und sogar mit einer kleinen Belohnung.

Auf in die Viertagewoche!

Geplant ist meine Viertagewoche ab 2020 und alleine der Gedanke daran macht mich sehr froh. Ich habe das Gefühl, ich habe wieder Luft für Ideen!

Welche Erfahrungen hast du mit der Viertagewoche gemacht? Hast du wieder aufgestockt auf Vollzeit oder bist du genau so zufrieden, wie es jetzt ist?

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