Wanderung: Vom Brambrüesch zum Dreibündenstein im Kanton Graubünden in der Schweiz

Des Weges Weite gibt des Schrittes Maß.

Ernst Raupach

Infos zur Route

Route: Rundwanderung Brambrüesch – Dreibündenstein
Dauer: 03:13 bei 4,0 km/h
Streckenlänge: 12.9 km
Aufstieg: 590 m
Abstieg: 590 m
Schwierigkeitsgrad: mittel bis schwer, lange Steigungen
GPX-Track und Profil unter: https://www.komoot.de/tour/83806758
Nutzung des Tracks auf eigenes Risiko – beachte immer die Anforderungen der Strecke vor Ort!

Wanderbericht

Heute entscheide ich mich für eine Rundwanderung zum Dreibündenstein – allerdings habe ich etwas Respekt vor den Höhenmetern, denn soviele auf kurzer Strecke bin ich noch nicht gelaufen. 590m Höhe und wieder runter, auf einer Strecke von 12km, das wird ein kräftiger und langer Anstieg für mich. Ich bin weiter unentschlossen.

Mit der ziemlich ruckelnden, zuckelnden und schaukelnden Gondel fahre ich zum Brambrüesch hinauf, wo mir ein älterer Herr, der mich von seinem Aussehen und seiner Kleidung sehr an den Almöhi aus Heidi erinnert, die Gondeltür öffnet und Almgedudelmusik schallt.

Ich starte meine Rundtour und gehe prompt in die entgegengesetzte Laufrichtung, so dass Komoot, meine persönliche Navitante, meckert, mein Weg liege in X Metern Entfernung. Aber ich laufe beharrlich weiter und irgendwann scheint sie zu merken, dass ich die richtige Route nur entgegengesetzt laufe (auch wenn die noch ausstehenden KM Angaben immer weiter ansteigen). Aber der Weg ist einfach und die Ausschilderungen für Wanderer sind super! Ein freundliches Wanderpärchen spricht mich auf Schweizerdeutsch an, ich verstehe fast Null, aber immerhin soviel, dass sie mir den Pfadweg oberhalb des Straßenweges empfehlen. Danke! Die Aussicht von hier ist so viel schöner!

Der Weg schlängelt sich immer weiter ansteigend – nur ansteigend. Unmengen an bunten Schmetterlingen fliegen vor mir her. Nach einer Weile komme ich an den ersten Weidezaun, in der Ferne höre ich Kuhschellen – jaaa! Gott schütze die Viehhirtin. Steht an ihrer kleinen Hütte. Und dann (Achtung, Klischee): Mehr Heidi geht nicht. Alm! Kühe! Die Almen werden von den Kühen gepflegt, und so führt mich mein Weg direkt durch die Kuhherden. Die Ladies schauen kurz auf und zupfeln dann weiter geschäftig am Gras.

Keuch! Dieser Aufstieg macht mich fertig. Sowohl von der Kondition her, als auch von der Beinmuskulatur. 500 Höhenmeter habe ich schon – Leute – 500m grade rauf! („Differenz zwischen zwei Punkten im Gelände in der Vertikale“) Und es geht noch weiter rauf. Ich denke mehrmals, ob ich umkehren soll, aber hey: Es ist doch nicht mehr weit! Also gehe ich weiter, Tippelschritt vor Tippelschritt. Mag ja sein, dass andere hier hochjoggen, aber für mich ist es die erste Alpinwanderung mit so vielen Höhenmetern. Ich habe keine Lust mehr…. Aber es gibt hier Kühe! Mit Flauschohren!

Auf der oberen Ebene angekomme, brauche ich noch etwa eine halbe Stunde bis zum Dreibündenstein. Die Aussichten von dort oben sind gigantisch. Auf dem Weg halte ich kurz an einem kleinen Bergteich, indem sich irgendwelche kleinen Echsen tummeln, als ein Hund mir entgegenkommt und in den Teich springt, den er leertrinken will. Immer wieder schaut er zu mir hin und ich bin unschlüssig, ob ich langsam aus der Hocke aufstehen soll. Wenn ich jetzt aufstehe, erschreckt er sich dann auch? Er wirkt genauso zögerlich wie ich, und kein Besitzer ist zu sehen. Ich stehe langsam auf, er schaut mich an… und trinkt dann weiter.

Die letzten Höhenmeter hinauf zum Dreibündenstein schaffe ich auch noch und lege hier eine längere Pause ein. Pausen fallen mir echt schwer: Immer habe ich das Gefühl, ich müsste laufen – darum muss ich mir selber Pausen „verordnen“.

Ich trage mich noch in das Gipfelbuch ein, und dann beginnt nach wenigen Metern der Abstieg. Meine Beine sind schon ziemlich gummerig, und auch wenn der Abstieg auf breitem Weg nicht übermäßig schwer ist, rutsche ich einmal auf dem Schotter-Gras-Kuhdung-Gemisch aus. Und wo der Dung hinführt, da sind sie dann auch: Es bimmelt und schellt, als ob ein Orchester sich völlig durcheinander einspielt. Und dann stehe ich mitten in der Kuhherde. Ich liebe Kühe! Die Kühe interessieren sich herzlich wenig für meine Selfies, wobei ich respektvollen Abstand halte. Kühe streicheln? No go! Auf dem weiteren Weg folgt mir die Kuhherde, als sie von der Kuhhirtin von der Alm runtergetrieben wird.

Völlig fix und fertig komme ich nach fast 600m rauf und 600m runter wieder bei der Gondel an, wo mir meine Gondelbekanntschaft von heute morgen freundlich auf die Schulter klopft und mich fragt, ob es schön war. War es! Wir plaudern ein wenig, während er die Gondel etwas zurückhält: Aus Südtirol kommt er, da sei es sehr schön. Die Arbeit habe ihn hergebracht. Und weg bin ich mit meiner Gondel.

Abends schaue ich mir die Bilder des Tages an. Meine Beine sind müde, mein Kopf glücklich. Gut, dass ich gelaufen bin.

Zusätzliche Infos zur Strecke

Anforderungsprofil:
Eine Tour mit vielen wundervollen Aussichten. Außer zu Beginn meist über Pfad- und Wanderwege. Trittsicherheit ist über die Strecke wichtig. Insgesamt eine Tour, die mit guter Kondition sehr gut machbar ist, ggf. mehrere Pausen einlegen. Die erste Hälfte der Strecke ist nur Anstieg.

Einkehr: An der Bahnstation Brambrüesch gibt es Einkehrmöglichkeiten; keine Einkehrmöglichkeit auf der Strecke.

Wetter: Den Wetterbericht unbedingt beachten. Das Wetter kann schnell umschlagen!

Bewertung: Für mich eine schöne Wanderung, grade auch für Einsteiger in alpines Wandern durch die gute Ausschilderung und einfache Streckenführung geeignet. Man muss kein Sportler sein, aber eine gute Grundkondition ist bei dem langen Aufstieg notwendig. Viele tolle Aussichten auf relativ kurzer Strecke

Meine persönliche Bewertung:

⭐⭐⭐⭐⭐

tantereisefieber

Eine Tasse Tee, dazu ein gutes Buch und mit der Katze auf dem Sofa. Alternativ trifft man mich irgendwo draußen im Wald.

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One thought on “Wanderung: Vom Brambrüesch zum Dreibündenstein im Kanton Graubünden in der Schweiz”

  1. Es ist immer schön, wenn man sich überwindet und was tolles erlebt. Die besten Geschichten entstehen eben dadurch, dass man die Couch verlässt 🙂 geht mir oft ebenso. Ein schöner Bericht.

    Liebe Grüße
    Kasia

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