Reisebericht: Kurzreise in den Harz – Teufelsmauer, Bodetal, Okertal


Als ich noch Märchen gelesen habe, dachte ich solche Dinge könnten niemals passieren, und hier bin ich nun und lebe mein eigenes.

Lewis Carroll

01.05.2019

Nach einer ziemlich entspannten Autofahrt  ohne LKW, dafür mit Cantuccini und Blaubeeren, lande ich zuerst mitten im Thaler Volksfestleben, als ich zur Touristeninfo möchte. In der Touristeninfo am Bahnhof erstehe ich zwei Stempelhelfte für die Harzer Wandernadel (3€ pro Heft), und erkundige mich nach dem Wanderabschnitt des Harzer Hexenstiegs von Treseburg nach Thale, weil dieser wegen eines Steinschlags gesperrt werden soll.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Namensnennungen und Verlinkungen zu Veranstaltern und Orten, die ich besucht habe. Dieser Beitrag wird daher als Werbung gekennzeichnet.

Im Anschluss treffe ich mich mit meinen Freunden Julia und Carsten am Wanderparkplatz der Teufelsmauer in Weddersleben. Vom Wanderparkplatz aus führt ein kleiner Weg direkt auf den Teufelsmauerstieg. Auch wenn wir (nachdem wir unseren allerersten Stempel mit der Nummer 188 Die Teufelsmauer geholt haben) nur wenige Kilometer an der Mauer entlanglaufen, ist die Mauer sehr beeindruckend und sieht wahrlich teuflisch aus!

Die Legende sagt, dass sich hier der Teufel mit Gott über die Landverteilung gestritten haben soll. Beide seien zu einer Absprache gekommen, dass der Teufel bis zum Hahnenschrei eine Grenzmauer zwischen dem steinigen Harzteil und den grünen, fruchtbaren Wiesen ziehen solle, um das Harzland zu bekommen. Der Teufel bekam die Mauer jedoch knapp nicht fertig, und in seiner Wut warf er seine Mauer wieder um.

Wir sammeln unseren ersten HWN Stempel (188 – Teufelsmauer Weddersleben) und ich fühle mich grade wieder wie ein Kind, das anfängt, ein Panini-Sammelalbum vollzukriegen. Wo ist die nächste Stempelstelle?

Mit dem Auto fahren wir zur Burg- und Festungsruine Regenstein bei Blankenburg (Harz). Einen Parkplatz gibt es unterhalb der Felsenburg, und nach wenigen Metern Fußweg kommt man am Eingang (und einer Stempelstelle) an.

Leider haben wir nicht mehr viel Zeit zur Besichtigung der Burg, weil um 18:00 geschlossen wird, aber für einen schnellen Durchlauf und Bestaunen der fantastischen Aussichten reicht die Zeit. Wir beschließen, danach den Rundweg 7 zu laufen, und uns die Sandsteinhöhlen und Regensteinmühle anzuschauen.

Leider kommen wir mit dem Plan und der Ausschilderung nicht klar und landen irgendwo bei dem Versuch, die Mühle und unseren Parkplatz wiederzufinden. Ähm. Tja. Ich würde sagen: Im Wald verlaufen. Da wir grade etwas planlos sind, werfen wir das GPS an und erhalten so eine grobe Richtung, die uns – mit einem Umweg um ein riesiges Feld herum –  zu der Straße zu unserem Parkplatz führt. Kleines Zuckerstück: Ein kleines Reh guckt uns zwischen den Bäumen zu, wie planlos wir sind. Puh. Das hätte auch eine Nacht im Wald werden können.

02.05.2019

Am nächsten Tag fährt Julia Carsten und mich nach Treseburg, von wo aus wir zu zweit einen Teil des Harzer Hexenstiegs von Treseburg nach Thale an der Bode entlanglaufen wollen.

Was habe ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht! Einige Wanderer haben die Strecke bei Outdooractive als anspruchsvoll gewertet (und einer als „Spaziergang“), zudem gab es eine aktuelle Steinschlagwarnung. Nachdem dann ein Wanderer die Warnung ausgesprochen hat, dass es auf der ganzen Strecke unterwegs kein Netz gebe, habe ich mich gefreut, als Carsten mitkommen wollte.

Und jetzt? Jetzt laufen wir diesen Weg entlang, der insgesamt breit, an tollen Aussichtspunkten mit Geländern gesichert und bis auf wenige Ausnahmen wirklich wenig anspruchsvoller als ein Waldspazierweg ist. Der aktuelle Steinschlag ist noch nicht weggeräumt, aber der Weg nicht gesperrt. Auf den letzten Kilometern muss man ein bisschen über unebene, steinige Wege, Holzwurzeln und etwas Schotter mit Matsch, aber mit ein bisschen Trittfestigkeit ist das kein Problem. Hauptsache, man hat feste Schuhe mit Profil an. Es gibt ein paar Steigungen, insgesamt ist die Strecke von Treseburg nach Thale abfallend und sehr gut zu laufen. Auch meine Angst vor dem Notfall im Nirgendwo ist unbegründet, denn die Strecke ist jetzt im Mai bei trockenem Wetter eine Wanderautobahn, auf der wirklich viele Leute unterwegs sind.

Da wir am Ende in Thale noch etwas Zeit haben und nach den knapp 10km nicht völlig erschöpft sind, beschließen wir, auf die Rosstrappe hochzulaufen (es geht auch ein Sessellift rauf) und einen Stempel zu jagen. Unterwegs mache ich mir Gedanken über die Bäume hier, einen Laub-Mischwald, so wie es sein soll. Und darüber, wie Märchen mein Verständnis von dem, was Wald ist, geprägt haben („Fichtenwald“ ist für mich Zauberwald, Laubwald nicht – ein Hexenhäuschen passt nicht in den Laubwald). Der Aufstieg ist etwas anstrengend, aber dafür hat man von oben einen spektakulären Ausblick über das Bodetal, das mich ein bisschen an einen (kleinen) Grand Canyon erinnert.

Abwärts geht es mit dem Sessellift in der offenen Kabine, und beim Blick in die Tiefe und in die Weite kann einem schon schwummerig werden. Aber die Aussichten sind grandios! Auch, wenn es heute etwas diesig ist, kann man die Teufelsmauer in der Ferne sehen. Wir treffen Julia unten an der Bahnstation und fahren direkt auf der anderen Seite wieder hoch. Wir nehmen die Gondel mit Glasboden, durch den man die Landschaft unter den Füßen vorbeischweben sehen kann. (Für Ängstlichere gibt es auch Kabinen ohne Glasboden).

So. Hexentanzplatz? Es fällt mir schwer, einen „Hexentanzplatz“ zu sehen, denn hier oben wirkt alles wie aus einem Freizeitpark ausgeschnitten. Es gibt Buden, einen großen Parkplatz, einen Tierpark mit armen Waldtieren, die in kleinen Käfigen und Volieren hocken, Animation, Souvenirläden mit Chinaware. Und in der Mitte einen kleinen Kreis aus Findlingen, auf denen drei Bronzefiguren sitzen. Mit Kindern ist dieser Ort vielleicht ein schönes Ausflugsziel, als Wanderziel ist er mir zu kommerzialisiert und so bin ich froh, als wir weitergehen und uns auf den Weg zur Prinzensicht machen. Am Ende fahren wir wieder mit der Bergbahn nach unten, und meine Beine freuen sich: Sitzen. Auf dem Rückweg zu unseren Unterkünften fahren wir noch beim Großvater, einer imposanten Felsenformation, vorbei und besuchen die (S)Tempelstelle dort – auch wenn es eigentlich ja gemogelt, weil erfahren und nicht erwandert, ist.  

Stempelstelle oder Tempelstelle? Durch einen Versprecher wurde aus der Stempelstelle eine Tempelstelle, was wir dann einfach beibehalten haben. Und irgendwie stimmt es ja auch, „pilgert“ man doch auch fast zu dem (S)Tempelkasten.

03.05.2019

Das Wetter heute regt nicht zu Begeisterungsstürmen an. Es ist kalt, wolkig und wechselhaft. Zudem hat sich eine Fußblase zu uns als Begleitung dazugesellt, so dass es ein Fahr- statt eines Wandertages wird. Zur Feier von Julias Geburtstag fahren wir nach Goslar, wo wir im roten Eichhörnchen (…und warum lese ich immer „im toten Eichhörnchen“?) bei Waffeln und Eis ein Frühstück einlegen und danach etwas durch die kleine, aber schöne Altstadt wandern. Die Kaiserpfalz bewundern wir nur von außen und fahren dann im warmen Auto mit ein paar kleinen Stempelstellen-Abstechern nach Wernigerode, wo wir zum Schloss rauflaufen, uns entschließen, nicht zur Schloss-Walpurgis zu gehen, und daher auch den Innenhof des Schlosses nicht betreten können. Aber egal, denn unser Tageshighlight wartet noch auf uns – ein reservierter Tisch im japanisch-vietnamesischen Restaurant in der Altstadt von Wernigerode. Das Essen hier war schon im letzten Jahr fantastisch und auch dieses Mal bin ich nach dem Essen dick und glücklich.

04.05.2019

Wandertag!

Um 10:30 stehe ich am Parkplatz Romkerhalle und warte auf meinen Wanderbegleiter – noch so ganz klassisch: Warten, bis einer kommt. Denn Handy-Empfang gibt es hier nicht. Die heutige Tour führt nach einem kurzen aber knackigen Kletteranstieg mit Hand und Fuß zu verschiedenen Klippenformationen und dann durch das Okertal. Eigentlich müsste ich dringend…naja, also genau. Problem: Eigentlich steh ich irgendwo auf einem Parkplatz im Wald – also viele Bäume. Aber so aus Mädelperspektive ist hier kein geeignetes Örtchen dabei. Neben dem Parkplatz findet man aber auch ein kleines Hotel-Restaurant, Romkerhall, das „kleinste Königreich“ der Welt. Schon vor der eigentlichen Öffnungszeit von 11:30 werde ich hineingelassen und darf gegen den Erwerb eines „Tageseintrittsvisums“ für 1.50€ auch die royalen Toiletten (die überaus gewöhnlich aussehen) des Hauses nutzen.

Unnützes Wissen: Bei einer Gebietsreform in den 70ern wurde Romkerhall keiner Gemeinde zugeordnet. Der Besitzer des gemeindefreien Gebietes rief daraufhin 1988 Romkerhall als kleinstes „Königreich der Welt“ aus.

Erleichtert treffe ich danach auf dem Parkplatz meine Wanderbegleitung und zunächst suchen wir mit ein bisschen Hin- und Hergelaufe den Einstieg in unsere Wanderung. Wir testen alle vorhandenen Wege an, aber das GPS ist nicht zufrieden mit uns. Ja, wo lang denn? GPS-Trudi meckert. Sie ist erst zufrieden, als wir links vom Wasserfall einen Schleichpfad entdecken. Also Pfad ist übertrieben. Kletteraufstieg mit leichtem Kletterpfadcharakter trifft es eher. Wer hat das geplant? Ich? Ne, oder?

Nach dem steilen Anfangsaufstieg beginnt für mich eine der schönsten Touren, die ich im Harz bisher gelaufen bin. Die Felsformationen sind einfach ganz erstaunlich, z.B. die Mausefalle, bei der ein riesiger Fels auf zwei kleinen Felsen abgestützt aufliegt und man den Eindruck bekommt, ein kleiner Schubs reicht aus, damit alles zusammenfällt. Oder die Teufelsklippe – ein unheimlich großer Gesteinsfels, ganz rundgeschliffen von Regen, Wind und Zeit. Ich liege einfach oben drauf, schaue in die Baumwipfel – es ist so schön, dort zu sein. Das Wetter beschenkt uns unterwegs mit Abwechslungsreichtum – von Sonne über Niesel bis zu Schnee ist alles dabei.

Ein wenig schade ist, dass die letzten Kilometer an der Oker auch an einer Bundesstraße vorbeiführen, so dass immer mal Autos an uns vorbeifahren.

Am Rastplatz wieder angekommen, sind wir nach der Strecke nicht wirklich erschöpft, und so machen A. und ich uns auf nach Thale, wo wir mit dem Sessellift zur Rosstrappe rauf und wieder runterfahren, bevor wir in meiner Ferienwohnung gemeinsam Abendessen machen und quatschen, bevor A. sich auf den Heimweg macht.

Auch für mich geht es morgen wieder zurück. Zurück Richtung Ruhrgebiet, und zurück Richtung Arbeit. Aber in jedem Urlaub gibt es irgendwann genau diesen einen Moment oder Tag, den ich besonders mitnehme. Der einfach ein Moment des Glücks ist. Und genau heute war es genau dieser Tag.


Die GPX Strecke durch das Bodetal findest du hier auf Komoot: Strecke Treseburg – Thale

Die GPX Strecke Traumklippen und Felsentour (mit Stempelstellen) durch das Okertal findest du ebenfalls bei Komoot: Strecke Okertal

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2 thoughts on “Reisebericht: Kurzreise in den Harz – Teufelsmauer, Bodetal, Okertal

  1. Ich bin grade zufällig hier gelandet auf der Suche nach Infos zu Orten im Harz. Ich war bisher erst einmal dort, im letzten Jahr. Da sind wir hoch auf den Brocken und es hat uns so gut gefallen, dass wir wieder hinwollen. Vielleicht besorge ich mir dann auch so ein Heft, obwohl ich eigentlich keine große Wanderin bin und nur gelegentlich mal eine Strecke laufe.

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