Das Haddebyer Noor : Loop mit Wikingerhäusern und Museum
Das Haddebyer Noor : Loop mit Wikingerhäusern und Museum

Das Haddebyer Noor : Loop mit Wikingerhäusern und Museum

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Gangleri fragte: „Wie ward die Welt, wie entstand sie, und was war zuvor?“

Har antwortete: „So heißt es in der Völuspa:
Einst war das Alter, da alles nicht war,
Nicht Sand noch See, noch salz’ge Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund und Gras nirgend.“

Die Prosa-Edda; aus: Die Edda. Die germanischen Göttersagen; Hrsg. Walter Hansen 2021

Rucksack gepackt, Schuhe geschnürrt. Griechen und Römer sind alte Bekannte aus dem Geschichtsunterricht, aber Wikinger? Nun gut, wer kennt sie nicht, Wickie und Halvar. Immer eine gute Idee voraus. Aber sonsts? Eher ungehobelt, lange Bärte und immer kampfeslustig. Oder?

Freundschaft, Liebe, Trauer, Glaube, Hoffnung, Alltag und Alltagssorgen

Mein heutiger Weg führt mich um das Haddebyer Noor, vorbei an schönen ländlichen Aussichten, über eine Noorbrücke bis hin zum Wikingerdorf Haithabu und zum Wikingermuseum. Die Sonne scheint, der Wind frischt auf und es ist einfach perfektes Laufwetter und der Weg gedankenfreundlich: immer am Noor entlang und ohne viele Verlaufoptionen, ein bisschen rauf, ein bisschen runter, der Blick schweift, die Gedanken auch.

Nach einem Gang über einen Befestigungswall begrüßt mich ein freundlicher Museumsmitarbeiter mit einem Augenzwinkern an der Eintrittskasse: „Sie sind doch Studentin?“ – mit Nachdruck: „SIE SIND DOCH STUNDENTIN?“ – Was für eine Frage, natürlich, immer noch (seit dann jetzt 19 Jahren, also 38 Semestern). Schmeicheln kann er.

Gewusst? Noor, abgeleitet vom dänischen Nor; Bedeutung: Haff oder Strandsee. Bezeichnung für einen durch eine schmale, enge Öffnung von einem größeren Gewässer fast vollständig abgetrennten, seeartigen Teil – weiß Wikipedia am 28.07.2021

Das Wikingerdorf ist klein, aber unbedingt sehenswert und mit ein wenig Glück auch sehr belebt. Rinder grasen hinter dem Wohnhaus aus Pfählen und Lehm, Frauen verkaufen vor einem anderen Haus selbstgesponnene Wollwaren; ein Handwerker stellt Brotformen aus Holz vor seinem Zelt her. Alles gar nicht so wild hier; eher beschaulich. So alltäglich. Einfach. Ich schaue mir die Wohnräume, Lebensräume an – so könnte es hier im Frühmittelalter ausgesehen haben. Ein Wohnraum, Holzpritschen mit Fellen, eine Feuerstelle. Die Schwalben, die durch die Eingangstüren sausen, sind wahrscheinlich die Ururur…enkel der Wikinigerschwalbengeneration.

Ein Stück weiter, im Wikingermuseum, werde ich kritisch beäugt, als ich die zweite Eintrittskarte kaufe und die erste Studentenkarte für den Rabatt vorlege. „SIE SIND STUDENTIN?“ – „Hat ihr Mitarbeiter im Dorf gesagt…“. Auch ins Museum darf die Studentin. Mein Rucksack wird im Spind im Keller eingeschlossen; und dann zieht mich die Ausstellung in ihren Bann. Und hier, anders als im Dorf, wird sehr deutlich, dass es nicht „einfach“ war. Es war Kultur, mit allem, was dazu gehört: Glaube, Handel, Riten, Traditionen, Gesellschaftsformen und -bilder, Wandel. Ich bestaune Grabbeilagen und stelle mir wieder einmal die Frage, worüber Archäologen in 1000 Jahren wohl staunen werden, wenn sie unsere heutigen Gräber öffnen, unsere Kultur(en) betrachten und analysieren. Und dann fasziniert mich der Gedanke, dass wir, egal wann, alle Menschen sind, die, unabhängig von der Zeit, in der sie leben, durch Emotionen und Erleben verbunden sind.

Infos zu aktuellen Aktionen in Haithabu einschließlich Öffnungszeiten (auch unter Corona) gibt es unter https://haithabu.de/

GPX-Infos

Route: Das Haddebyer Noor : Loop mit Wikingerhäusern und Museum (Rundwanderung)
Streckenlänge: 7,33 km
Aufstieg: 80 m
Abstieg: 80 m
GPX-Track der gelaufenen Tour und Profil unter: https://www.komoot.de/tour/374755043
Dieser Track wurde nicht bereinigt. Nutzung des Tracks auf eigenes Risiko – beachte immer die Anforderungen der Strecke vor Ort!

Infos zur Tour

Anforderungsprofil:
Die Strecke ist für Spaziergänger und Wandereinsteiger oder Wanderanfänger sehr gut geeignet. Sehr einfache Wegführung, kaum Steigungen, dafür aber sehr schöne Ausblicke! An der Noorbrücke befinden sich zwei tolle, sehr kleine Sandbuchten bei absolut ruhigem Wasser; perfekt für eine Plantschpause mit Kindern. Das Dorf ist auch für Kinder superinteressant, es gibt vieles zu sehen und mitgemacht werden kann auch. Das Museum selbst ist sehr interessant und schön gestaltet, aber die Ausstellung insgesamt sehr leselasting und wenig interaktiv – für Erwachsene absolut zu empfehlen; für kleine Kinder eher langweilig.

Einkehr: Im Wikingerdorf gibt es einen Snack zu kaufen; Toiletten sind im Wikingermuseum.

Parken: Direkt am Museum; alternativ auch am Ehrenfriedhof am Haddebyer Noor direkt an der B76. Ab hier kann man perfekt eine große Runde ums Noor laufen und kommt als letzte Station zum Museum.

Bewertung der Strecke: Schöne Aussichten, einfacher Weg, ein ganz tolles Museum mit Wikingerdorf. Darf wiederholt werden.

Highlights: Wikingerdorf, Wikingermuseum, Noor, Noorbrücke

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Ein Kommentar

  1. Kasia

    Ich kann mir vorstellen, dass wir uns gar nicht so unähnlich waren, die Wikinger und wir. Oder generell, die früheren Kulturen und wir. Denn was unterscheidet uns schon groß. Die Technologie? Vielleicht. Doch von der menschlichen Warte aus betrachtet sehen wir uns zwar gerne als fortschrittlicher, „zivilisierter“, doch ich glaube, mit etwas Anlaufzeit würden wir uns auch in den damaligen Kulturen gut zurechtfinden… Die Menschheit entwickelt sich recht sprunghaft, ein Schritt nach vorne, zwei Schritte zurück… und manchmal kann man über etwas, was damals war, nur staunen.

    Die Frage, was wir den Generationen nach uns hinterlassen werden, trieb mich auch schon um. Ich stelle mir vor, wie unsere Zivilisation samt Smartphone und Big Data untergeht und irgendwann ein Forscher ein solches Artefakt in den Händen hält, sich am Kopf kratzt und denkt: Was wollte uns der Künstler damit sagen? Das war bestimmt Teil einer alten Mythologie…

    Nun, ganz Unrecht hätte er damit nicht 😉

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