Reisebericht: Cordoba – Die Säulen der Mezquita – Andalusien Etappe 2

Die Säulen der Mezquita sind die Geschichte der Welt.

Meine Gedanken

Vom 16.03.2019 bis zum 23.03.2019 habe ich mich auf eine kleine Soloreise durch Andalusien in Spanien gemacht und mir mit dem Besuch der Alhambra einen kleinen Traum erfüllt. Die zweite Etappe hat mich von Granada nach Cordoba geführt.

19.03.2019

Nette Leute trifft man unterwegs, und so unterhalte ich mich mit einem deutschen Reisepärchen, das neben mir im Reisebus sitzt. Beim Blick aus dem Fenster bin ich etwas erschrocken: Zum ersten Mal in meinem Leben erfasse ich, was der Begriff Monokultur wirklich meint, denn in graden Reihen, über Hügel bis zum Horizont reihen sich hier Olivenbäume. Das ist nicht romantisch, eher ziemlich erschreckend, denn der Boden zwischen den Bäumen ist braun, trocken, und es wächst kaum etwas anderes.

Die Reisebusfahrten mit Alsa funktionieren einwandfrei und so komme ich gegen 13:15 in Cordoba an. Da ich keine Lust habe, meinen Rucksack die nächste halbe Stunde Weg zu tragen, warte ich an der Bushaltestelle von Bus Nummer 3. Ein Mann stellt sich vor die Bushaltestelle, baut dort einen Metallständer auf und geht weg. Wir wundern uns…und ein paar Sekunden später trägt der Mann einen großen Flachbildfernseher an die gleiche Stelle. Tja, den will er wohl im Bus transportieren. Weil sich Flachbildfernseher ab einer bestimmten Größe so unhandlich tragen lassen, helfe ich ihm etwas. Leider – für ihn –  fährt der Bus an seinem gewünschten Aussteigepunkt vorbei, und der Arme muss alles wieder ein gutes Stück zurücktragen. Ich steige ebenfalls aus und nach einem kurzen Stück Laufen am Fluß Guadalquivier entlang komme ich zum Hostal Alzahar und der Mezquita.

JA! Sie haben mir tatsächlich das Zimmer mit Mezquita-Blick gegeben und als ich die Flügeltüren des Fensters öffen, bin ich hin und weg. Noch nie war der Ausblick auf eine Wand so schön. Ich ziehe mich schnell um, packe einen kleinen Rucksack und werfe mich ins cordobesische Getümmel. Heute Nachmittag ist es sehr wuselig, unheimlich viele Menschen laufen um die Mezquita, Schulklassen sind unterwegs. Ich nehme mir nichts vor und schlendere einfach in den kleinen Gassen herum.

Ich komme an ein kleines marrokkanisches Teehaus, das in einem traditionellen offenen Innenhof untergebracht und sehr authentisch dekoriert ist. Leider wirkt der Kellner etwas unfreundlich, was dem Ganzen Atmosphere nimmt. Aber die Harira schmeckt und gestärkt mache ich mich schnell wieder auf den Weg. Nach einem Besuch im Lederkunstmuseum schlendere ich am Abend noch zu einem Carrefour Supermarkt, um mich mit ein paar Kleinigkeiten einzudecken. Auf meinem Zimmer setze ich mich ans offene Fenster, genieße die Aussicht und plane den morgigen Tag.

20.03.2019

Heute habe ich nicht viel geplant. Denke ich mir so.

Um acht Uhr verlasse ich  mein kleines Hostal und gehe die wenigen Meter bis zum Seiteneingang der Mezquita, um die kostenlose Eintrittsstunde nicht zu verpassen. Am Glockenturm hat sich bereits eine lange Schlange gebildet – der kostenlose Eintritt von 8.30 bis 9.30 ist längst kein Geheimtipp mehr. Doch als um 8.30 die großen, metallsbeschlagenen Tore aufgehen, verlaufen sich die Leute schnell und es ist nicht gedrängt.

Ich betrete die große Moscheekathedrale und bin sofort überwältigt. Säule um Säule und Rundbogen um Rundbogen – ich fühle mich ein wenig, als ob  ich zwischen zwei Spiegeln stehe und in die Unendlichkeit gucke. 23.000qm – von außen wirkte das Gebäude auf mich groß, aber nicht so groß! 856 Säulen (ursprünglich 900)! Jede Säule, jede Wendung, jede Ecke bringt eine neue Perspektive, und dabei vermischen sich nicht nur Formen, sondern auch Islam und Christentum. Ursprünglich ab 784 unter dem ersten umayyadischen Emir von Cordoba als Moschee gebaut und dann über die Jahre ausgebaut,  wurde die Mezquita (aus dem arabischen Wort Masjid) 1236 von Ferdinand III. von Kastilien nach der Rückeroberung Córdobas von den Mauren zur Kirche umfunktioniert (und ein Kreuz auf das Minarett gesetzt). Mitten ins Zentrum der Moschee wurde ein Kirchenschiff gesetzt, für das einige Säulen weichen mussten.

Ich bin fasziniert, wie so viele Einflüsse in einem Gebäude verschmelzen können! Neben Ikonen, Altären und Heiligenbildern finden sich arabische Inschriften und der Mihrab. Alleine die Vorstellung, wieviele Menschen in dieser Moschee Platz gefunden haben, lässt mich staunen und erahnen, was für eine Metropole Cordoba einst gewesen sein muss. Die freie Stunde in der Mezquita vergeht wie im Flug, während ich einfach nur zwischen den Säulen herumwandere und staune. Pünktlich zum Ende der Stunde werden alle Besucher von den Mitarbeitern herausgewedelt – gleich ist Einlass für das zahlende Volk.

Nach einer kurzen Pause auf meinem Zimmer neben der Mezquita (Lage, Lage, Lage!) mache ich mich auf einen Rundweg durch Cordoba, denn ich auf Komoot zusammengestellt habe (GPX hier auf Komoot) und der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in einer Tour beinhaltet.

Vom Turm im Alcázar de los Reyes Cristianos, einer Residenz vergangener katholischer Herrscher in Cordoba, lässt es sich wunderbar durch die Gärten wandeln und arabische Bäder besichtigen. Gerne würde ich unten in den Badanlagen ein Foto machen – leider stellt sich eine gesamte Schulklasse in den Weg, so dass ich eine Weile warten muss. Dieses gestaltet sich etwas unangenehm, denn hier unten in den Badekatakomben schwebt ein muffeliger Uringeruch durch die Luft. Aber ich warte und versuche aus den spanischen Erklärungen des Lehrers das ein oder andere aufzufangen. Als er in meine Richtung zeigt und das Wort „letrina“ verwendet, werde ich stutzig. Entweder, dieser Duft hier ist gut 700 Jahre alt oder dieses stille Eckchen wird immer noch nach seinem Zweck genutzt.

Ich verzichte auf das Foto und gehe stattdessen in den Orangenbaumgarten. Wohltat! Leider werden die Orangen von einigen Besuchern abgepflückt, um sie zu probieren. Da die Orangen aber zu dieser Zeit nicht schmecken (es sind im März die Orangen von letzten Jahr), werden diese dann leider achtlos wieder ins Blumenbeet geworfen.

Nach Überquerung der römischen Brücke besuche ich das Museum im Torre de la Calahorra, in dem auf drei Etagen das andalusische Leben zur Zeit der Mauren dargestellt wird. Ich habe ein bisschen Probleme mit den Audioguides, die mir immer wieder andere Dinge erzählen, als nach Plan angedacht wären, aber die Ausstellung ist liebevoll und sehr interessant gemacht.

Auf dem Weg fällt mir auf: (Fast) alle Tauben in Cordoba sind weiß. Durch Gassen und Parks schlendere ich zur Judería de Córdoba, dem zwischen dem zehnten und fünfzehnten Jahrhundert jüdischen Viertel der Stadt. Hier gibt es auf einer Gasse, der Calle de los Judios, ganz viel zu sehen! Neben dem Bait al-Andalusi, einem andalusisch-arabischen Haus, gibt es das Casa de Sefarad, ein kleines Museum, in dem das Leben der sepharadischen Juden zu der damaligen Zeit gezeigt wird. Die Ausstellung hat wenig Schauobjekte und viel, sehr viel Text, den mein Kopf heute nicht mehr aufnehmen kann. Nach einem kurzen Durchlauf verlasse ich das Museum und schaue mir stattdessen noch die kleine historische Synagoge, die letzte in ganz Andalusien an.

Nachdem ich an Maimonides vorbeigekommen bin, gelange ich wieder zum Ausgangspunkt zurück. Zwar komme ich noch am Museum der arabischen Bäder des Kalifat Alcazars vorbei, aber meine Füße und mein Kopf sind erledigt. Mir steckt auch immer noch ein Muskelkater von Vorgestern in den Oberschenkeln. Stattdessen gehe ich ein Eis essen, setze mich vor die Mezquita und beobachte Leute. Das ist so entspannend!

Da ich noch nicht wirklich viel gegessen habe, mache ich mich auf den Weg zum Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Auf dem Rückweg bleibe ich irgendwie an einem kleinen Restaurant hängen, dass Falafel verkauft. Obwohl mein Rucksack voll ist, um mich durch den Abend zu snacken, gehe ich rein und bestelle ein Falafel-Sandwich. Auf Arabisch – denn immerhin heißt das Restaurant Damaskino, und ich komme damit weiter als mit Spanisch (zumal der Besitzer kaum Englisch versteht). Woah wie R. sich freut! Wir führen eine kleine Unterhaltung über arabische Köstlichkeiten, als sich ein weiterer Gast in unser Gespräch reinklinkt. Plötzlich quatschen wir zu dritt auf Englisch – Arabisch – Spanisch und jeder von allem ein bisschen, essen gemeinsam Falafel und Salat und trinken Tee. Zaid W. ist ein bunter Mix aus Kulturen und bereist grade die Welt. Ramiz betreibt sein drittes Restaurant nach Versuchen in Syrien und Jordanien, und ich mache einfach Urlaub. Es ist ein interessanter Abend und ich komme später als gedacht satt, glücklich und müde wieder ins Hostel. Dort angekommen, werde ich dank der sehr dünnen Wände an diesem Abend Teilnehmerin der Fernsehunterhaltung und Whatsapp-Gespräche meiner Zimmernachbarn, doch ein nettes Klopfen an deren Zimmertür löst das Problem, so dass ich sehr schnell – und ohne Ohrstöpsel – einschlafen kann.


Alle Reiseberichte zu meiner Reise durch Andalusien gibt es hier:

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